Aktuelle Medienberichte



Passauer Neue Presse vom 14. Januar 2012:

Roos kritisiert: Kommunen werden übergangen

Ignoranz gegenüber der Meinung der betroffenen Kommunen wirft der SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard Roos der bayerischen Staatsregierung vor im Zusammenhang mit der Nordtangente. Wie berichtet, beabsichtigt die Straßenbauverwaltung, die Nordumgehung Passau zur Bewertung bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans anzumelden. Mit diesem Schritt melde die Staatsregierung „ein Projekt an, das in den betroffenen Kommunen Passau, Salzweg und Tiefenbach auf eine breite Ablehnung in den kommunalen Parlamenten gestoßen ist“, meint Roos. „Selbstverständlich verstehe ich auch, dass der Landkreis eine Umfahrung des Nadelöhres Passau anstrebt“, gibt Roos zu bedenken. Es könne aber nicht angehen, dass solche Großprojekte mit der sprichwörtlichen Brechstange durchgedrückt würden. Roos fordert „in dieser unsäglichen Debatte mehr Augenmaß und Respekt vor den Beschlüssen der betroffenen Gemeinden.“





Leserbrief in der Passauer Neuen Presse vom 10. Januar 2012:

Peinliche Verkehrszählungen

Dass Innenminister Joachim Herrmann sich in Sachen „Nordtangente“ auf eine vollkommen veraltete Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2003 beruft und die für ihn und seine Partei peinlichen aktuellen Verkehrszählungen von 2010 tunlichst verschweigt, ist angesichts der gängigen bayerischen Straßenbaupolitik nicht sonderlich verwunderlich. Seit wann interessieren bayerische Staatsministerien und ihre obersten Behörden Gutachten, die sie nicht selbst bestellt oder zumindest nach ihrem Gusto zurechtgebogen haben?
Deshalb hier nur zwei knappe Fragen:
- Verharrt die CSU auch bei sonstigen politischen Themen auf ihrem Erkenntnis- und Wissensstand von 2003?
- Und jetzt konkret an Minister Herrmann: Würden Sie auf die Frage nach dem Ergebnis der letzten Landtagswahlen in Bayern und der sich daraus resultierenden Mandatsverteilung ebenfalls die Zahlen von 2003 rezitieren?
Ach, Sie meinen, das sei doch nun wirklich Schnee von gestern. Na klar, ist es ja auch – genauso wie die Machbarkeitsstudie zur Nordtangente von 2003 und Ihr aktueller Senf dazu, Herr Minister!
Alois Zechmann, Passau



Passauer Neue Presse vom 5. Januar 2012:

Bayern meldet Nordumfahrung Passau für den Bundesverkehrswegeplan an
Minister Herrmann bestätigt Vorhaben – Fragesteller Hallitzky empört: „Kein Geld und keine Ahnung“

Der Freistaat Bayern will die Nordumfahrung Passau als Maßnahme für den Bundesverkehrswegeplan anmelden. Das hat Innenminister Joachim Herrmann auf eine schriftliche Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Eike Hallitzky bestätigt.
Auf Hallitzkys Frage, ob „die Staatsregierung beabsichtigt, die Aufnahme der Nordumfahrung von Passau (Nordtangente) in den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) zu beantragen“ lautet Herrmanns konkrete Antwort: „Die bayerische Straßenbauverwaltung beabsichtigt, die Nordumfahrung Passau zur Bewertung bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans anzumelden.“CSU-Politiker aus der Region mit Landrat Franz Meyer an der Spitze setzen sich für den Bau der Nordumfahrung durch den Bund ein. Damit sehen die Straßenbefürworter eine Möglichkeit, die ablehnende Haltung der Stadt zu umgehen. Der Stadtrat hatte sich zuletzt im April 2011 mit 29:9 Stimmen gegen die Umfahrung „B 388 neu“ (Nordtangente) ausgesprochen.Der Beschluss war als Resolution an die Oberste Baubehörde beim bayerischen Innenministerium und an das Bundesverkehrsministerium gerichtet: Das Projekt solle nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden, so die Forderung des Stadtrats, beschlossen mit den Stimmen von SPD, FDP/Passauer Liste, ÖDP, Grünen und FWG gegen diejenigen der CSU. Die CSU hatte den Beitritt der Stadt Passau zum Zweckverband Autobahnzubringer ohne Beschränkung der Lösungsvarianten beantragt, wonach also auch die Ilz- und Gaißatal querende Nordtangente in Patriching nicht ausgeschlossen wäre. Das lehnten alle anderen Fraktionen ab.
Bei Minister Herrmann, dem die Oberste Baubehörde untersteht, fand die Resolution des Passauer Stadtrats kein Gehör, wie seine der PNP vorliegenden Antworten auf den Fragenkatalog Hallitzkys zeigen. Ob der Freistaat mit der wohl 2013 fälligen Anmeldung der Nordumfahrung Passau für den Bundesverkehrswegeplan Erfolg hat, entscheidet sich bis 2015, wenn der neue BVWP fertig werden soll.
Wie viele Fahrzeuge nach Ansicht der Obersten Baubehörde die neue Straße befahren werden, lautete eine Frage an den Minister. Herrmann zitiert die Machbarkeitsstudie von 2003: Je nach Trassenvariante sind 12000 bis 16000 Fahrzeuge am Tag für den Abschnitt zwischen B 12 und B 85 im Jahr 2020 prognostiziert. Nach derselben Studie sind zehn Prozent Durchgangsverkehr, dessen Ziel und Herkunft außerhalb der Stadt und des Landkreises Passau sowie des Bezirks Schärding liegt.
Die aktuelle Gevas-Studie von 2010 allerdings ermittelt den Durchgangsverkehr, der auf die Umfahrung umgeleitet werden könnte, nur mit weniger als sieben Prozent. Die Bürgerinitiative „Natur ja – Nordtangente nein“ hält die Zahlen von 2003 für überholt. Sie seien unter der Annahme errechnet worden, dass der Verkehr bis 2020 um 30 Prozent zunimmt. Tatsächlich habe der Verkehr am Anger von 2000 bis 2010 den amtlichen Zahlen des Staatlichen Bauamts nach aber um über 20 Prozent abgenommen. 1992 lautete die Prognose für 2005 am Anger 47500 Fahrzeuge. Doch gezählt wurden stetig abnehmende Werte: 39800 im Jahr 1995, 37500 im Jahr 2000, 33500 im Jahr 2005, 29500 im Jahr 2010. Nach dem Gevas-Gutachten, so legt die BI dar, hätten 2200 Fahrzeuge durch eine Nordtangente einen Zeitvorteil – das sind nur um die 15 Prozent der von Minister Herrmann genannten Zahl.
Das Gevas-Gutachten ist für Joachim Herrmann nicht Ausschlag gebend. Er betont: „Der Entscheidung, die Nordtangente von Passau bei der nächsten Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans beim Bund zur Bewertung anzumelden, liegt nicht das in der Anfrage angesprochene Gutachten, sondern die speziell für die Nordumgehung erstellte Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2003 zu Grunde.“
Die erfragten Angaben etwa zu möglichen Höhenprofilen des Bauwerks, Baukosten und Umweltverträglichkeitsprüfung machte der Minister nicht. Solche Fragen könnten noch nicht beantwortet werden. Dem Freistaat sei das Anmelde- und Bewertungsverfahren noch nicht bekannt, das erst bei der Grundkonzeption für die Bundesverkehrswegeplanung erarbeitet werde. Diese Grundkonzeption erstellt das Bundesverkehrsministerium zurzeit erst.
Diese Ausführungen des Ministers nehmen die BI-Sprecher Dr. Wolfgang Baier und Alois Zechmann in einer Stellungnahme aufs Korn. „Der Bund weiß noch gar nicht, was er will – aber die Staatsregierung weiß schon, dass die Nordtangente das Richtige ist.“ Der Kenntnisstand der Staatsregierung sei „fehlerhaft und lückenhaft“.
Wie sich die für Neubauprojekte in Bayern zur Verfügung stehenden Mittel entwickeln werden, lässt sich laut Joachim Herrmann nicht absehen. MdL Hallitzky behauptet, für derartige Straßenbauprojekte fehle ohnehin das Geld an allen Ecken und Enden. Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan beinhaltet für Bayern laut Minister Herrmann im vordringlichen Bedarf ein Projektvolumen von 6,8 Milliarden Euro und im weiteren Bedarf von 6,2 Milliarden. Tatsächlich ausgegeben werden konnten in den Jahren 2006 bis 2010 insgesamt zwei Milliarden Euro, also rund 400 Millionen pro Jahr.
Allein im vordringlichen Bedarf warten nach Informationen der Bürgerinitiative bundesweit 850 Ortsumfahrungen auf ihre Verwirklichung, nun soll die Passauer Nordumfahrung dazukommen. Eike Hallitzky fasst das Ergebnis seiner Anfrage verärgert zusammen: Die Staatsregierung habe in ihren Antworten nur dargelegt, dass sie in Sachen Nordumfahrung „kein Geld und keine Ahnung“ hat.

Anmerkung der BI:
Wenn auch die vom Minister genannten Prognosen der Machbarkeitsstudie von 2003 zum Verkehrsaufkommen überholt sind; in einem anderen Punkt ist diese Studie aktuell geblieben: beim Aufzeigen der Umweltprobleme einer Nordtangente. Die von der Straßenbau-Lobby gewünschte Trasse („Korridor Mitte“) schnitt hier katastrophal ab. Die Studie untersuchte die Folgen eines Straßenbaus für das „Schutzgut Mensch“, das „Schutzgut Landschaft“ und das „Schutzgut Tiere und Pflanzen“. Ergebnis: Bei der gewünschten Nordtangenten-Trasse sind die Auswirkungen am schwerwiegendsten.





Bürgerblick, Ausgabe Dezember 2011:

Gott bewahre dieses Tal vor den Betonpolitikern!

Der Herbstwind spielt mit den letzten gelben Blättern einer Birke. Knorrige Kiefern greifen hinauf zum Himmel. Krähen schwingen sich krächzend von Wipfeln auf. Unter den Sohlen raschelt vertrocknetes Eichenlaub und tief drunten im Tal murmelt der Fluss. Wer die Hinweistafel am Wirtshaus zur Triftsperre liest, weiß, dass in diesem Naturparadies selbst das Radfahren verboten ist und keine Musikgeräte angeschaltet werden dürfen.
Aber Autos sollen in dieser geschützten Idylle über das Ilztal rauschen?
Die Betonpolitiker, allen voran Landrat Franz Meyer und Landtagsabgeordneter Konrad Kobler, wollen ausgerechnet hier eine Brücke für eine neue Blechlawine entstehen lassen. „Nordtangente“ nennen sie die Straßenverbindung, welche die Wirtschaft aus dem Raum Wegscheid, Hauzenberg und Thyrnau schneller mit der Autobahn verbinden soll. Dabei gibt es nur zehn Kilometer weiter den Autobahnzubringer „Aicha vorm Wald“.
Weil die Mehrheit der Passauer Stadträte von Anfang an gegen dieses Projekt stimmte und den Beitritt zum Zweckverband Autobahnzubringer Bayerischer Wald verweigerte, probieren sie es jetzt auf dem Umweg über Berlin. Die Bundesstraßen 388 und 8 sollen aus der Stadt ausgelagert und der „Nordtangente“ zugeschrieben werden. Geht das so einfach? Die CSU-Mehrheit im Kreistag hat ihr Ziel erreicht, wenn diese Spange entsprechend im nächsten Bundesverkehrswegeplan verankert wird. Das ist frühestens 2015.
Bis dahin leiten provisorische Wegweiser den Wanderer „Zur Nordtangente“. Wer den Aussichtsfelsen mit dem frisch lackierten, grünen Geländer erreicht, findet glücklicherweise keine Autobrücke vor, sondern ein Schild, das über den geplanten Naturfrevel aufklärt. Eine Aktion von Naturschützern (…).





Leserbrief in der Passauer Neuen Presse vom 2. Dezember 2011:

Unsinniges Verkehrsprojekt

Es wäre schon interessant, woher die Zahlen stammen, mit denen die CSU hier hantiert. 100000 Menschen brauchen eine Nordumfahrung. Woher sollen die alle kommen? Wir reden ja wohl vom Donauraum. Alle weiter nördlich haben ja eine komfortable Umfahrung über Hutthurm/Neukirchen. Da wurde anscheinend halb Oberösterreich mitgerechnet. Ja – und 20000 Pendler wollen angeblich Passau jeden Tag nördlich umfahren. Nur darum geht es ja – die, die in Passau arbeiten brauchen ja die Umfahrung nicht. Ich jedenfalls arbeite seit Jahrzehnten im Logistikbereich an der B 388 und wir konnten keinerlei Beeinträchtigungen durch eine fehlende Umfahrung von Passau feststellen. Zum Glück hat der Bund aber zur Zeit sowieso andere Sorgen, als Geld in unsinnige Verkehrsprojekte zu stecken.
Richard Schock, Passau

Kinder forschen an der Ilz


Rund hundert Interessierte sind am 7. Mai 2011 zu einer Familienwanderung in die Halser Ilzschleifen gekommen. Die BI gegen die Nordtangente hatte im Rahmen der „BayernTour Natur“ des Umweltministeriums eingeladen, sich an Stationen über die geschützte Natur rund um die Triftsperre zu informieren. Alois Zechmann, Martin Ziegler und Paul Kastner ließen Kinder und Erwachsene aktiv werden: Die Wanderer durften an Biberdrüsen riechen, kleine Lebewesen unter dem Laub aufspüren und unter dem Mikroskop bestimmen oder die Gewässergüte anhand gefangener Wassertiere bestimmen. Besonders die Kinder entwickelten großen Forschereifer. Endpunkt der Tour war der Felsen hoch über der Ilz in Sichtweite der Triftsperre, an der Befürworter der Nordtangente den Talübergang planen. „Niemand, der diese zauberhafte Idylle kennt kann sich für eine Nordtangente aussprechen, zumal mehrere Gutachten deren unzureichende Verkehrswirksamkeit bewiesen haben“, so die BI-Sprecher Alois Zechmann und Dr. Wolfgang Baier.

(Vergrößerung durch klick auf die Bilder)

MdB Toni Hofreiter (Grüne) zur Nordtangente

Bundestagsabgeordneter: Warum die Nordtangente auch als Bundesstraße nicht gebaut wird
Verkehrsexperte Toni Hofreiter (Grüne) erklärt, was an den neuen Wunschträumen der Straßenlobby dran ist

Die Bürgerinitiative „Natur ja – Nordtangente nein“ besitzt Unterstützer und Mitglieder aus allen demokratischen Parteien. Nur so ist auch zu erklären, warum eine fast 80-prozentige Mehrheit im Passauer Stadtrat den Bau der Nordtangente ablehnt. Und die Bürgerinitiative bleibt mit Vertretern aller Parteien im Gespräch. Jetzt nutzten Vorstandsmitglieder den Besuch des Bundestagsabgeordneten Toni Hofreiter (Grüne) zu einem Treffen. Denn Hofreiter kennt sich aus: Er sitzt im Verkehrsausschuss des Bundestags und ist verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Hofreiter kann beurteilen, wie realistisch die Pläne der Lobbyisten sind, die Nordtangente als Bundesstraße zu bauen.

Bevor die Bagger für eine Bundesstraße anrücken, muss ein umfangreiches Prozedere durchlaufen werden. Dieses lautet in Kurzform: Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan, Bedarfsplan, Raumordnungsverfahren, Linienbestimmungsverfahren, Vorentwurf/Entwurfsplanung, Planfeststellungsverfahren.

Die aktuelle, von der Straßenlobby angefachte Diskussion befasst sich mit dem ersten Schritt: der Aufnahme des Projekts in den Bundesverkehrswegeplan. Wer die markigen Sprüche der Straßenbefürworter („Herr Ramsauer, übernehmen Sie jetzt!“) hört, müsste glauben, dieser Schritt stünde unmittelbar bevor. „Es wird aber derzeit definitiv kein neues Projekt und damit definitiv auch nicht dieses Projekt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen“, erklärt Hofreiter. Eine entsprechende schriftliche Bestätigung des Verkehrsministeriums liegt dem Grünen-Abgeordneten vor. Derzeit werde lediglich eine Revision erarbeitet, in der bereits in den Plan aufgenommene Projekte neue Prioritätsstufen erhalten könnten.

Der Bundesverkehrswegeplan wird erst 2015 fortgeschrieben. Dazu wird Bayern wahrscheinlich im Jahr 2013 Vorschläge nach Berlin weiterreichen. Ob die Nordtangente unter diesen Vorschlägen sein wird? „Das ist durchaus möglich“, so Hofreiter. Denn bei dieser Gelegenheit werde Bayern wie andere Länder eine solche Vielzahl an Projekten melden, die weder verkehrspolitisch sinnvoll noch finanzierbar sei. Hofreiter: „Da wird fast alles reingepackt, was irgendwo im Land irgendwer jemals gefordert hat.“

Was tatsächlich in den Bundesverkehrswegeplan kommt, entscheidet sich später in Berlin, „übrigens deutlich nach der nächsten Bundestagswahl“, wie Hofreiter anmerkt. Dabei spielen eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle: Verkehrszahlen, Umweltprobleme und vieles andere, unter anderem die Zahl und das Gewicht der politischen Unterstützer.

„Aber selbst wenn die Nordtangente irgendwann einmal im Bundesverkehrswegeplan stehen sollte, bleibt ihr Bau sehr unwahrscheinlich“, so Hofreiter. Woran das liegt?

Erstens am Projekt selbst: Die Nordtangente brächte kaum Verkehrsentlastung, zugleich aber eine hohe Umweltbelastung. Sie ist schlicht nicht sinnvoll und juristisch nicht nur aufgrund der betroffenen FFH-Gebiete kaum durchsetzbar.

Zweitens scheitert eine Nordtangente als Bundesstraße am Geld. Hofreiter liefert dazu die Zahlen: Schon jetzt stehen Projekte mit einem Bauvolumen von 80 Milliarden Euro im Bundesverkehrswegeplan, als vordringlich eingestuft sind Projekte für 50 Milliarden Euro. „Es stehen aber nur jährlich zwei Milliarden Euro für den Neubau zur Verfügung“, so Hofreiter, „da kann sich jeder ausrechnen, wie hoch die Chancen auf eine Verwirklichung eines Projektes stehen, das jetzt neu in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden soll.“

Zumal, wenn das Projekt vor Ort umstritten ist. Das ist der dritte Grund für ein Scheitern der Bundesstraßen-Pläne: „Solche Projekte baut der Bund in der Regel nicht gegen die Kommunen vor Ort“, erklärt Hofreiter. Nur zur Erinnerung: In den betroffenen Kommunen Passau, Salzweg und Tiefenbach bestehen ablehnende Beschlüsse mit großen Mehrheiten. Die fast 80-prozentige Mehrheit im Passauer Stadtrat (35 : 9 Stimmen) wurde 2009 vom Tiefenbacher Gemeinderat mit 18: 1 Stimmen sogar noch übertroffen.

Zusammengefasst werden können diese Fakten so: Bundesweit betteln Lobbyisten darum, dass der Bund ihre Straßen baut, die zum Teil seit Jahrzehnten im Verkehrswegeplan stehen. Aber der Bund müsste 40-mal mehr Geld haben, um alle Projekte anzugehen. Und dann käme die Nordtangente: Bisher noch nicht einmal im Bundesverkehrswegeplan, nicht sinnvoll, juristisch schwierig, von den betroffenen Kommunen vehement abgelehnt. Da wird dem Bund die Absage an die Wunschträume der Nordtangenten-Befürworter nicht schwerfallen.

Fazit des Bundestagsabgeordneten Hofreiter: „Wer sich auf Bundesebene mit der Materie auskennt und dennoch Hoffnungen auf eine Realisierung dieser Strecke durch den Bund weckt, handelt unredlich.“

Es wird also nichts werden mit den Träumen der Straßenlobby von einer „B388 neu“ – in Anlehnung an die gerade im Bau befindliche B15 neu zwischen Regensburg und Landshut. Alleine die Anleihe bei der B15 neu zeigt die Chancenlosigkeit der Nordtangente: Die erwartete Verkehrsbelastung der B15 neu liegt bei bis zu 32500 Fahrzeugen. Im Vergleich dazu die Nordtangente: Nur 2200 Fahrzeuge pro Tag hätten von ihr einen Zeitvorteil, hat das Gevas-Gutachten ermittelt. Bevor der Bau der B15 neu startete, stand sie rund 30 Jahre im Bundesverkehrswegeplan. Und die Nordtangente? Sie steht noch nicht einmal drin.

Jahreshauptversammlung 2010


20 Jahre Einsatz gegen die Nordtangente:
Bürgerinitiative bleibt wachsam
Jahresversammlung mit Neuwahlen: Vorstandssprecher Dieter Listl verabschiedet

Seit 20 Jahren besteht die Bürgerinitiative (BI) „Natur ja – Nordtangente nein“. Und die Bürgerinitiative bleibt wachsam: Dazu hat sie sich mit jahrelang bewährtem Personal und jungen Kräften für die Zukunft aufgestellt.

Bei der Jahresversammlung der BI im „Patrichinger Hof“ wurde auf zwei Jahrzehnte des Widerstands gegen den Bau der Straße durch das Gaißatal und das Ilztal mit seinen FFH-Gebieten zurückgeblickt. In die Zukunft schaut die BI zuversichtlich: In den betroffenen Kommunen Passau, Salzweg und Tiefenbach bestehen ablehnende Beschlüsse mit großen Mehrheiten. Die fast 80-prozentige Mehrheit im Passauer Stadtrat (35 : 9 Stimmen) wurde im Vorjahr vom Tiefenbacher Gemeinderat mit 18: 1 Stimmen sogar noch übertroffen. Und die Argumente der Tangentengegner werden immer zahlreicher: Eine Studie der TU München zählte pro Tag lediglich 280 Fahrzeuge aus dem Raum Hauzenberg und östlich davon, die über Passau von und zur A3 Richtung Norden unterwegs sind. Die letzten bekannten amtlichen Verkehrszählungen ergaben ein Minus bei den Autos am Anger. Die 2010 präsentierte Kordonerhebung ermittelte nur acht Prozent Durchgangsverkehr durch Passau. Verweisen kann die BI zudem auf das Gevas-Gutachten und die Machbarkeitsstudie (Seib/Transver), die keine Empfehlung für eine Nordtangente aussprachen.
Dennoch sorgen deren Befürworter, vor allem eine 2008 in Thyrnau gegründete Bürgerinitiative, immer wieder für Schlagzeilen. „Als ein Beispiel für die Realitätsferne dieser „Unternehmer-BI“ benannte Vorstandssprecher Dieter Listl deren Forderung nach einer Donaubrücke bei Löwmühle. „Die Abfuhr für diese Pläne hätte nicht deutlicher ausfallen können“, kommentierte Listl die heuer erfolgte Ablehnung durch die österreichische Seite. Jüngste Bestrebungen, eine Trasse durch das Ilztal als „B 388 neu“ voranzutreiben seien „angesichts des grotesken Kosten-Nutzen-Verhältnisses unbegreiflich“. Der Verweis auf die „B 15 neu“ von Regensburg nach Landshut als Bezugsfall sei „völlig lächerlich“.
Listl präsentierte letztmals den Tätigkeitsbericht des Vorstandes. Die Mitglieder akzeptierten schweren Herzens seinen persönlich begründeten Rückzug. Versammlungsleiter Alois Zechmann würdigte Listls verkehrspolitische Kompetenz. In 20 Jahren Vorstandsarbeit habe man sich „kein einziges Mal in die Wolle gekriegt, das schafft wohl kaum eine Ehe“, so Zechmann.
Der neugewählten Vorstandschaft gehören neben den seit Jahren aktiven Alois Zechmann (Vorstandssprecher), Dr. Wolfgang Baier, Andreas Pontz und Marie-Luise Bernkopf drei neue Mitglieder an: Klaus Schank, Martin Ziegler und Roland Kelbel. Nachrücker ist Christian Meier. Zum Abschluss erlebten die vielen Mitglieder und Gäste, darunter Stadträte von SPD, Grüne und ÖDP mit Bürgermeister Urban Mangold, eine Powerpoint-Präsentation: Paul Kastner zeigte die Schönheit der Halser Ilzschleifen.

Sie wollen Ansprechpartner für alle Gegner der Nordtangente sein (v.l.): Klaus Schank, Marie-Luise Bernkopf, Dr. Wolfgang Baier, Alois Zechmann, Andreas Pontz, Roland Kelbel und Martin Ziegler bilden die Vorstandschaft der BI.

Schweren Herzens akzeptierte die BI den persönlich begründeten Rückzug von Dieter Listl. Marie-Luise Bernkopf überreichte dem langjährigen Vorstandssprecher einen Geschenkkorb.


Der Widerstand lebt - Neuer Flyer vorgestellt


Unter der Überschrift "Der Widerstand lebt" berichtete die PNP in der Samstagsausgabe vom 26.09.09 über die neue Initiative der BI. Nachdem die Nordtangente zunächst für "politisch tot" gehalten wurde, kommt die Diskussion wieder hoch.

Den vollständigen Artikel können Sie >>>hier [232 KB] downloaden.

Die Vorstandschaft um Alois Zechmann und Dieter Listl hat einen Flyer herausgebracht, um über den aktuellen Sachstand zu informieren. Der Flyer wurde bereits über 10.000fach per Tagespost an die Haushalte verteilt.

Der Flyer läßt sich >>>hier [1.682 KB] herunterladen.

nach oben